Barfuß wandern für anfänger
Barfuß wandern macht spaß! Bei jedem schritt eröffnet sich
den nackten sohlen eine sinneswelt, die dem träger von schuhen
unzugänglich bleibt. Kühl-weiches, leicht kitzelndes gras,
warme steine, heißer sand, feuchter matsch, gesunde erde,
raschelndes herbstlaub, erfrischender schnee....
Schuhe sind krücken. Direkten kontakt zur natur halten heißt,
ein teil der natur werden. Du selbst bist mit dem besten denkbaren
hilfsmittel zur welt gekommen, um auch lange strecken auf
unebenem terrain zu meistern - der hornhaut an deinen
füßen. Du bist dazu geboren, barfuß zu gehen - schuhe hat uns
diese kultur nur anerzogen. Wenn du dich von den schuhen
befreist, merkst du erst, wozu dein körper ohne hilfsmittel
fähig sein kann!
Aber viele haben ihren füßen nie genug zugemutet, deshalb ist
so mancher untergrund schmerzhaft. Den weg dorthin, jeden
schritt zu genießen und so gut wie gar keine schuhe mehr zu
brauchen, soll dieser text aufzeigen.
Erste schritte
Zuerst kannst du bei schönem wetter barfuß in den garten
gehen. Probiere verschiedene untergründe aus, nimm dir zeit.
Der nächste park ist sicher nicht weit, warum nicht einen
kleinen spaziergang machen? Am besten natürlich, wenn der weg
dorthin auch angenehm ist.
Versuche, die neuen eindrücke, die sich dir auftun, als solche
hinzunehmen und positiv aufzufassen. Schwierige strecken, etwa
schotterwege, kannst du zuerst umgehen oder langsam angehen -
die gewöhnung erfolgt schneller, als du denkst! Was zuerst
unangenehm erscheint, wird bald zu einem ganz wunderbaren sinneseindruck.
Natürlich solltest du genau hinsehen, wo deine nächsten
schritte hingehen. Das bedeutet nicht, dass du fortan nur noch
mit der beobachtung des bodens beschäftigt sein wirst - schon
bald genügt ein flüchtiger blick, allen gefahren sicher aus
dem wege zu gehen.
Gehe regelmäßig barfuß - zuerst nicht zu viel auf einmal.
Die haut wird ein wenig dicker, die muskeln werden trainiert,
und die nerven werden auf die neuen eindrücke eingestimmt.
Abhärtung muss aber nicht bedeuten, dass der tastsinn
beeinträchtigt wird - nur die schmerzempfindlichkeit lässt
nach. Schon bald kannst du auch weitere strecken völlig entspannt
barfuß gehen. Die beste jahreszeit dafür ist der frühling -
ein langer sommer steht bevor!
Überhaupt keine anstrengung bedeutet es, von heute auf morgen
im haus auf hausschuhe und strümpfe zu verzichten. Auch bei
kalten steinböden ist es eher eine sache des kreislaufs, warme
füße zu behalten - etwas bewegung, eine dusche oder ein tee
sollten ausreichen, um den kreislauf wieder in schwung zu bringen!
Die erste wanderung
Für die erste wanderung empfiehlt es sich, einen weg mit
abwechslungsreichem belag zu wählen. Schotter ermüdet schnell;
gras, sand und erde sind genau richtig. Am besten lässt du die
schuhe ganz zuhause. Wenn du freunde findest, die ebenfalls
barfuß laufen, ist das gut - es hat hingegen gerade am anfang wenig
zweck, mit gestiefelten wanderern schritt halten zu wollen, weil du
zuerst langsamer sein wirst. Auf tempo kommt es auch nicht an; nimm ganz
ruhig die eindrücke in dich auf und genieße die natur. Nichts
überstürzen; such dir eine überschaubare wegstrecke aus,
wo du notfalls umkehren kannst, wenn es zu viel wird.
Nach der wanderung mögen die füße ziemlich ermüdet sein -
auch muskelkater in den waden ist nicht selten. Aber so ist es
ja mit jedem training. Das gefühl, das in den nächsten tagen
in den gestärkten füßen aufkommt, ist es wert!
Bald wirst du feststellen, dass du weiter und auf rauheren
böden als je zuvor barfuß gehen kannst. Wenn du ein oder zwei
kurze wanderungen pro woche unternimmst und allgemein draußen
barfuß gehst, wo immer es möglich ist, solltest du nach einem
monat mehrere kilometer auf wechselndem grund ohne probleme
wandern können. Einen besonderen trainingseffekt haben feine
kieswege in parks - auch bei nur wenigen schritten am tag.
Wahl der wegstrecke
Welcher weg sich am besten eignet, hängt wesentlich vom bodenbelag
ab. Zu den angenehmsten unterlagen für ermüdungsfreies
barfüßiges wandern über viele kilometer zählen
naturbelassene wald- und feldwege. Besonders waldboden, dessen oberste
schicht aus blättern und tannennadeln besteht, gibt bei jedem
schritt angenehm nach und fühlt sich fabelhaft an (wenn auch bei
nadelwald eine gewisse gewöhnungsphase nicht zu vermeiden ist).
Hier ist nur darauf zu achten, die füße höher als auf glattem
boden zu heben, um die zehen nicht an etwaigen versteckten wurzeln oder
steinen zu stoßen - diese gangart mag zuerst noch recht ungewohnt sein,
ist aber auch nicht ermüdender.
Leider werden etliche wanderwege, vor allem die ausgeschilderten
fernwanderwege, ausgebaut, um unter den tausenden schuhen (!) der
erholungssuchenden nicht zu erodieren und auch bei feuchtem wetter nicht
zu verschlammen. Dabei wird oft eine wassergebundene feinschotterdecke
verwendet, die die bloßen füße leider schnell ermüdet und
deshalb insbesondere von unerfahrenen barfußgängern gemieden
werden sollte. Bisweilen verlaufen unbeschilderte naturwege parallel zu
den ausgeschilderten schotterwegen. Aber auch der manchmal im wald
verwendete rindenmulch ist sehr komfortabel.
Zur klassifikation von wanderwegen könnte etwa folgendes einfache
system, abgeleitet von der beschilderung von skipisten, verwendet werden:
- blau: einfach und bequem, selbst für
anfänger auf längeren strecken; beispiel; gras, sand oder
waldboden
- rot: für anfänger schneller
ermüdend, aber für geübte auch für langstrecken
geeignet; beispiel: feiner schotter, glatter asphalt
- schwarz: schwierig selbst für geübte;
beispiel: grobkörniger scharfkantiger schotter, grober asphalt
Purer spaß bei jedem schritt
Du wirst bald merken, wie viel du gewinnst, wenn du auf schuhe
verzichtest. Nicht nur wird der tastsinn unter deinen sohlen, der in
schuhen völlig verkümmert, reaktiviert. Du wirst auch
feststellen, dass du dich leiser, sanfter, einfach leichtfüßiger
bewegst. Pfützen sind keine hindernisse mehr, sondern willkommene
abwechslungen. Auf bäume und felsen zu klettern wird auch viel
leichter. Wildtiere werden dich nicht mehr als bedrohung auffassen und
dich viel näher heranlassen. Die natur profitiert ganz direkt von
deinen nackten füßen: die erosion wird viel geringer, und du wirst
instinktiv darauf achten, den weg sauberzuhalten. Wenn die erste
trainings- und abhärtungsphase erst einmal abgeschlossen ist, wirst
du merken, dass die ermüdungserscheinungen weit geringer sind als
mit noch so guten schuhen. Dass diese vorteile nicht bekannter sind,
hängt wohl überwiegend damit zusammen, dass es nicht so
einfach ist, mit bloßen füßen geld zu verdienen - was sollte
euch schon verkauft werden?
Überhaupt wirkt sich eine barfuß-wanderung sehr positiv auf dein
gemüt aus: du merkst, wozu du ohne hilfsmittel imstande bist,
wieviel gutes ein wenig selbstüberwindung bringen kann - und du
hebst dich von der dumpfen masse ab. Du bist als mensch nicht mehr ein
fremdkörper, sondern ein teil der natur, wenn du die
unnatürliche trennschicht zwischen dir und deinem planeten ablegst.
Wenn du dich auch wie ein fremdkörper in der stadt fühlen
magst, so wirst du merken, wie du den großstadtdschungel ebenso gut
meisterst. Nicht zuletzt wirst du merken, dass du auch auf langstrecken
wesentlich später ermüdest.
Vier grundregeln
- Nicht schlurfen - den nackten fuß senkrecht aufsetzen,
abrollen und weit genug anheben. Die meisten verletzungen lassen
sich so vermeiden.
- Immer den weg im auge behalten - wenn es woanders etwas zu
sehen gibt, lieber stehenbleiben.
- Richtig abrollen und das meiste gewicht eher auf den ballen
halten, wo es besser abgefedert werden kann.
- Stets etwas auf die füße achten - wenn du fühlst, dass du
auf etwas unangenehmes trittst, solltest du schnell genug
reagieren und woanders hintreten können.
Temperaturen
Am angenehmsten ist wohl eine temperatur von 20 bis 25 grad -
aber bloße füße können sich an einen viel breiteren bereich
gewöhnen. In der sonne wärmen sich straße und sand oft auf
über 40 grad auf - im extremfall musst du, um verbrennungen zu
vermeiden, immer wieder einmal den schatten aufsuchen. Aber auch
hier tritt bald ein gewöhnungseffekt ein. Kurzzeitig können
die füße bemerkenswerte temperaturen aushalten - bekanntlich
hinterlassen glühende kohlen bei kontakt von wenigen
sekundenbruchteilen dauer keinerlei verletzungen.
Temperaturen ab 10 grad aufwärts sollten keinerlei probleme
bereiten - wenn du handschuhe und schal beiseite legst, kannst
du das auch mit den schuhen und strümpfen tun, zumindest solange du
in bewegung bleibst. An tiefere temperaturen kannst du dich
allmählich gewöhnen, indem du einfach im herbst draußen
weiter barfuß gehst. Aber je kälter es ist, desto empfindlicher
werden die füße - also wundere dich nicht, wenn der kiesweg
plötzlich wieder probleme bereitet. Schnee kann eine wonne sein,
insbesondere wenn der kreislauf die füße von innen
warmhält - das ist aber bei jedem etwas anders. Es hat sich
bewährt, den kreislauf vorher in schwung zu bringen und sich von den
knöcheln aufwärts warm anzuziehen. Bei frost solltest du die
zehen genau beobachten - wenn sie weiß werden und das gefühl
verlieren, besteht erfrierungsgefahr! Wenn der körper in der lage
ist, auf die kälte angemessen zu reagieren, sollten die
füße warm und etwas rot werden, außerdem müsste
sich überall ein herrlich prickelndes gefühl ausbreiten. Bei
kälte müssen aber die füße stets in bewegung bleiben,
um die dürchblutung in gang zu halten.
Vorurteile
"Ich werde mich an glasscherben verletzen"
Ein bisschen auf den weg achten, und ihr könnt den meisten
scherben aus dem weg gehen. Wer den fuß gerade aufsetzt und
nicht am boden schleifen lässt, wird von den allermeisten
scherben selbst beim drauftreten nicht verletzt. Ähnliches gilt
für bienen: auf blumenwiesen solltet ihr bodennahe blüten
meiden.
"Wer barfuß geht, erkältet sich"
Erkältung ist eine ansteckende krankheit, die, wenn sie
"umgeht", weite teile der bevölkerung in mitleidenschaft zieht,
und von denen besser überwunden wird, deren immunsystem am
besten funktioniert. Barfußlaufen, wenn überhaupt, trainiert
das immunsystem höchstens. Bei kaltem wetter verliert der körper
über die füße viel wärme, diese kann er aber anderswo
leicht produzieren.
"Füße brauchen schutz und dämpfung"
Zur verletzungsgefahr siehe oben. Die dämpfung mag vor allem
beim rennen auf hartem boden wichtig sein - aber es gibt genug
möglichkeiten, der asphaltwüste zu entgehen.
"Barfußgehen schadet dem image"
Die gesellschaft scheint ein sehr diffuses bild vom barfußgehen
zu haben - deshalb ist nicht vorherzusehen, wie es auf das image
wirkt. Die meisten leute reagieren zuerst verwundert, gewöhnen
sich aber schnell. Bei alten damen ruft es interessanterweise oft
nostalgische erinnerungen hervor.... Manche trauen sich nicht, anders
zu sein als alle anderen, insbesondere wenn sie auf ablehnung stoßen.
Da ist es schon wesentlich einfacher, wenn du gleichgesinnte finden
kannst. Verteile einfach ausdrucke dieses textes in deinem
freundeskreis.
"Barfußgehen ist verboten"
Falsch - es gibt kein gesetz, dass es verbietet, irgendwo barfuß zu
gehen.
"Barfußgehen ist etwas für den hochsommer"
Nicht nur, siehe oben unter temperaturen. Zur heißesten zeit
des jahres kann es sogar ziemlich unangenehm werden. Je mehr du im
sommer barfuß gehst, desto weniger werden dir auch tiefe temperaturen
ausmachen.
"Barfußgehen ist für kleine kinder"
Sicher ist es für kinder am besten, gleich beim laufenlernen
ihre füße ans barfußgehen zu gewöhnen - das ist gesünder
und erspart ihnen, such später mühevoll wieder daran zu
gewöhnen. Aber warum sollte sich das auf kinder beschränken?
"Barfußgehen ist für arme"
Schuhe kosten wirklich nicht mehr viel, deshalb ist das kein
argument mehr. (Und was wäre daran peinlich, sich im
erscheinungsbild mit sozial benachteiligten schichten zu
solidarisieren?) Wenn du partout zeigen musst, dass du zu viel
geld hast, trage halt markenklamotten und teuren schmuck.
"Barfußgehen ist nichts für unsere zeit"
Sicher war es in früheren jahrhunderten verbreiteter, barfuß
zu gehen - es war am praktischsten und kostete kein geld. Aber
warum sollte es nicht wieder in mode kommen? Wir können die
trendsetter für die kommenden generationen sein!
"Nackte füße sind häßlich"
Der menschliche fuß ist, wie die pfote eines jeden anderen
tieres, optimal an verschiedenste böden angepasst, und ebenso
schön wie jedes andere körperteil (von einigen üblen
deformationen, die größtenteils von falschen schuhen
herrühren, einmal abgesehen...) Damit ist er natürlich auch
ästhetisch jeglichen schuhen weit voraus. Zu den meisten
kleidungsstücken stellen nackte füße eine attraktive und
passende ergänzung dar. Lange hosen können, damit sie nicht
den boden berühren, je nach schnitt einige zentimeter
umgekrempelt werden. Du wirst bald ein gefühl dafür
entwickeln, wie viele situationen es gibt, in denen es einfach am
attraktivsten ist, barfuß aufzutreten. Der mensch hat kleidung
entwickelt, um seinen mangel an fell auszugleichen - kopf, hände
und füße bleiben nackt, da sie so am besten funktionieren und
ohne hilfsmittel an fast jede umgebung angepasst sind.
"Nackte füße sind dreckig"
Dass von jedem boden etwas hängenbleibt, ist ganz natürlich.
Es fällt auch bald ganz von selbst wieder ab - nach der
nächsten wiese sind die füße etwa wieder so sauber wie
vorher. Die kleine mühe, sich abends die füße zu waschen,
sollte einem die freude an der sache schon wert sein -
schließlich entfällt das schuheputzen! Und wenn sich bei einem
stadtbummel die bekannte form des fußabdrucks sattschwarz auf
den sohlen abzeichnet, hat das seinen ganz eigenen ästhetischen
reiz.... Das alles ist immer noch hygienischer als die feucht-warme
atmosphäre, die sich in schuhen bildet, wo sich fußpilze
so richtig wohlfühlen.
"Ich werde mich viel mehr um meine füße kümmern
müssen"
Es reicht, die zehennägel sauber und in form zu halten, nach
jedem längeren gang die sohlen auf fremdkörper zu untersuchen,
und insbesondere im winter die füße gut einzucremen, um die sich
bildende hornhaut flexibel zu halten.
Barfuß gehen ist gesund!
- Es kraeftigt muskeln und gelenke
- Es verbessert die motorischen fähigkeiten und beugt damit verletzungen
vor, und das auch in schuhen (z. b. im hinblick auf verstauchungen)
- es erhaelt und verbessert die immunabwehr, insbesondere bei kaltem
wetter (kneipp-effekt)
- Es verbessert die blutzirkulation in den beinen und beugt damit
aktiv verschiedener leiden aufgrund mangelnder dürchblutung
vor. Zu nennen sind hier speziell die als
zivilisationskrankheiten bekannten "tauben beine" und krampfadern.
- Deformationen der füße, die erhebliche gehbeschwerden verursachen
können, entstehen nur beim tragen unpassender schuhe. Auch wenn bereits
fußschäden vorliegen, lindert sie das simple barfußlaufen
in der regel besser als die besten einlagen. Darin sind sich auch die
orthopäden einig. Der fuß wird übrigens weder platter noch
breiter. Am besten eignet sich hierfür natürlich unebenes und
abwechslungsreiches gelände.
- Fußpilz kann sich zwar über feuchtwarme böden, wo
viele leute barfuß gehen, verbreiten, überlebt aber nicht, sofern
ihm nicht in schuhen ein nährboden geboten wird.
- Über reflexzonenmassage wurde schon viel geschrieben: nach
dieser theorie können die meisten organe des körpers über
gewisse zonen der fußsohle stimuliert werden. Wenn du auf
natürlichen böden barfuß gehst, werden dabei die reflexzonen
ganz natürlich massiert, was einen positiven effekt auf den ganzen
körper hat.
- In bevölkerungen, wo meist keine schuhe getragen werden,
treten fußkrankheiten praktisch nicht auf. Gerade in der wachstumsphase
ist es am besten, wenn füße sich frei entfalten können,
deshalb sollten kinder bis mindestens sechs jahren, wenn überhaupt,
nur im winter schuhe tragen, und im haus stets barfuß laufen.
Vielen dank an Mike Berrow, Richard Frazine und Patrick Leibbrand
Willkommen
in der Barfüßerstraße
Seit
Jahrmillionen bewährt: Barfußlaufen in der Natur
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